Es gibt nur zwei Gelegenheiten, diese Ausstellung zu besuchen: am Freitag, 11. September 2026, und am Freitag, 25. September 2026, jeweils von 18:00 bis 21:00 Uhr. In der Fotogalerie Embrach zeigt die gemeinsame Ausstellung VENEDIG – PORTRAITS Fotografien, die während vergangener PORTRAIT INTENSE CLASS Veranstaltungen in Venedig entstanden sind.
- Freitag, 11. September 2026, 18:00–21:00 Uhr
- Freitag, 25. September 2026, 18:00–21:00 Uhr
Ich freue mich sehr, dass diese Arbeiten für zwei Abende in der Fotogalerie Embrach zusammenkommen. Nicht als Rückblick im klassischen Sinn, sondern als Einladung, unterschiedliche fotografische Sichtweisen auf eine Stadt, auf Menschen und auf Portraitfotografie nebeneinander zu erleben.

Portraitfotografie in einer Stadt mit eigener Präsenz
Venedig ist für Portraitfotografie ein besonderer Ort. Die Stadt lässt sich kaum neutral betrachten. Gassen, Plätze, Kanäle, Fassaden, Brücken und das wechselnde Licht prägen jede fotografische Entscheidung mit. Gleichzeitig besteht für mich genau darin die Herausforderung: Venedig soll nicht einfach Hintergrund sein. Die Stadt darf im Bild spürbar werden, ohne den Menschen vor der Kamera zu verdrängen.
Ein gutes Portrait lebt für mich von dieser Balance. Der Ort, das Licht, die Körperhaltung, der Blick, die Distanz zur Kamera und die Bildkomposition greifen ineinander. Gerade in Venedig verändert sich diese Balance ständig. Ein schmaler Durchgang kann ein Bild verdichten. Eine offene Fläche kann einer Person Raum geben. Spiegelungen im Wasser, harte Schatten an einer Wand oder weiches Licht in einer Gasse können aus einer einfachen Situation eine eigenständige Bildidee entstehen lassen.


Die Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich Fotograf:innen mit denselben Voraussetzungen umgehen können. Alle bewegen sich in derselben Stadt, aber niemand sieht sie gleich. Genau dieser Unterschied interessiert mich: nicht die Wiederholung eines Motivs, sondern die Entwicklung einer eigenen Bildsprache aus Begegnung, Wahrnehmung und Entscheidung.
Gemeinsame Ausstellung mit acht Fotografen
In der Fotogalerie Embrach präsentieren acht Fotografen ihre Arbeiten aus Venedig:
- Efstratios Dartzalis
- Wolfgang Trepte
- Pius Gruber
- Adolf Genhart
- Pascal Uehli
- Urs Spörri
- Felix Pfister
- Daniel Honegger
Die Namen stehen nicht nur für eine gemeinsame fotografische Reise, sondern für verschiedene Arten, mit Portraits umzugehen. Manche Bilder suchen Nähe, andere arbeiten stärker mit Raum. Einige Aufnahmen werden durch klare Formen getragen, andere durch Atmosphäre, Bewegung oder den Moment zwischen zwei Gesten. Für mich liegt darin ein wichtiger Teil einer Gruppenausstellung: Sie macht sichtbar, dass Fotografie immer auch eine persönliche Entscheidung ist.
Wenn mehrere Fotograf:innen am selben Ort arbeiten, entsteht keine einheitliche Antwort. Es entstehen Varianten, Schwerpunkte, Reibungen und überraschende Verbindungen. Gerade bei Portraits wird das deutlich. Der Mensch vor der Kamera ist nie nur Motiv. Ein Portrait entsteht aus Kontakt, Vertrauen, Aufmerksamkeit und der Art, wie Fotograf:in und fotografierte Person eine Situation gemeinsam tragen.
Aus der PORTRAIT INTENSE CLASS entstanden
Die gezeigten Fotografien entstanden während PORTRAIT INTENSE CLASS Events, die ich regelmässig in Venedig für kleine Gruppen von Portraitfotograf:innen organisiere. Im Zentrum dieser mehrtägigen Fotografie-Reisen steht nicht das schnelle Sammeln schöner Orte, sondern die bewusste Arbeit mit Menschen, Licht, Location und Bildsprache.
Für mich ist diese Form des Arbeitens wichtig, weil eine zusammenhängende Portraitserie Zeit braucht. Man muss einen Ort lesen lernen, ein Gefühl für Licht entwickeln und gleichzeitig offen bleiben für das, was sich vor der Kamera ergibt. Nicht jede Idee funktioniert sofort. Manchmal entsteht ein starkes Bild erst, wenn man eine Richtung wieder loslässt und genauer hinschaut.
Venedig unterstützt diesen Prozess, fordert ihn aber auch heraus. Die Stadt ist visuell dicht. Es gibt viele mögliche Bilder, viele Ablenkungen und viele bekannte Ansichten. In der Portraitfotografie interessiert mich deshalb besonders die Reduktion. Was braucht ein Bild wirklich? Wo wird der Ort Teil der Erzählung? Wann genügt eine Wand, ein Schatten, eine Linie oder eine Geste?
Diese Fragen stehen auch hinter vielen Arbeiten, die nun in Embrach zu sehen sind. Die Ausstellung ist damit nicht nur eine Präsentation einzelner Fotografien, sondern auch ein Einblick in fotografische Prozesse: in das Suchen, Entscheiden, Verdichten und Auswählen.
Venedig als Teil der Bildsprache
Venedig verändert Bilder. Nicht, weil die Stadt automatisch starke Fotografien erzeugt, sondern weil sie eine besondere Spannung mitbringt. Sie ist offen und verschachtelt zugleich. Sie wirkt vertraut und fremd. Licht fällt oft unerwartet in enge Räume, Wasser reflektiert Helligkeit auf Gesichter und Mauern, Schatten legen klare Formen über Plätze und Fassaden.

In der Portraitfotografie kann ein solcher Ort sehr viel erzählen, wenn man ihm nicht zu viel Raum überlässt. Mich interessiert, wie eine Person in Beziehung zur Umgebung tritt. Steht sie im Kontrast zum Ort oder fügt sie sich ein? Wird die Architektur zur Linie im Bild? Wird ein Schatten zur Fläche? Entsteht Nähe, obwohl die Stadt präsent bleibt?
Ob eine Fotografie in Schwarzweiss oder Farbe funktioniert, hängt für mich nicht von einer festen Regel ab. Schwarzweiss kann helfen, die Aufmerksamkeit stärker auf Licht, Tonwerte, Ausdruck und Körpersprache zu lenken. Farbe kann eine Situation anders tragen. Entscheidend ist, welche Wirkung das Bild braucht und welche Entscheidung der Serie dient.
Gerade in einer Ausstellung wird diese Frage anders sichtbar als auf einem Bildschirm. Fotografien treten zueinander in Beziehung. Man nimmt Übergänge wahr, entdeckt wiederkehrende Formen, Unterschiede in der Nähe zum Menschen, unterschiedliche Arten von Ruhe, Spannung oder Direktheit. Das Betrachten wird langsamer. Und manchmal verändert sich ein Bild, wenn man länger davorsteht.
Einladung in die Fotogalerie Embrach
Ich sehe diese Ausstellung als schöne Gelegenheit, Portraitfotografie aus Venedig nicht nur online oder als einzelne Bildauswahl zu betrachten, sondern im Raum. Die Fotogalerie Embrach bietet dafür einen konzentrierten Rahmen. Die Arbeiten können nebeneinander wirken, miteinander sprechen und vielleicht auch zeigen, wie verschieden fotografische Handschriften sein können, obwohl sie aus einem gemeinsamen Kontext entstanden sind.
Wer sich für Portraitfotografie, Venedig, fotografische Serien oder die Arbeit mit Menschen vor der Kamera interessiert, ist herzlich eingeladen, an einem der beiden Abende vorbeizukommen. Die Ausstellung ist nur an diesen zwei Freitagen geöffnet:
- Freitag, 11. September 2026, 18:00–21:00 Uhr
- Freitag, 25. September 2026, 18:00–21:00 Uhr
Ich freue mich auf Begegnungen in der Fotogalerie Embrach, auf Gespräche über Bilder und auf den Moment, in dem Venedig nicht als Reisebild erscheint, sondern als Teil einer fotografischen Auseinandersetzung mit Menschen, Licht und Wahrnehmung.
Weitere Infos zur Ausstellung auf https://fogae.ch.


